Wollen wir uns das leisten? Für ein Ende der Mütter-Diskriminierung

In letzter Zeit drehen sich die Diskussionen in meinem weiblichen Freundes- und Bekanntenkreis häufig um das Thema Wiedereinstieg nach der Elternzeit. Es scheint dabei nur noch ein einziger Parameter bei der Einschätzung von (auch potenziellen) Arbeitgebern zu existieren, und zwar die Frage: Stellt das Unternehmen Mütter in Teilzeit ein?

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Auf den ersten Blick mag diese Diskussion niemanden erstaunen, man begegnet ihr schließlich überall. Ich behaupte jedoch, dass wir so an sie gewöhnt sind, dass wir sie gar nicht mehr hinterfragen. Dabei handelt es sich um eine in meinen Augen skandalöse und aus den Fugen geratene Situation. Man führe sich diese einmal genauer vor Augen.

Abwertung statt Unterstützung

Da gibt es Hunderttausende größtenteils hoch qualifizierter Arbeitskräfte, deren Motivation ebenso groß sein dürfte wie ihre Fähigkeit Dinge effizient zu organisieren und umzusetzen. Ich spreche von Müttern. Doch statt sich die Finger nach dieser Gruppe zu lecken, stilisieren Unternehmen sie zum Problem. Und zwar zu einem Problem, dem sie qua Gesetz zwar nicht ausweichen können, das sie aber in Einzelfällen auf so derbe Art lösen, dass dem Betrachter schier die Luft wegbleibt.

Personaler erdreisten sich die Kohorte der Mütter als „Hausfrauensammelbecken“ zu diskreditieren. Mobbing ist an der Tagesordnung. Je früher man die unliebsamen Arbeitnehmerinnen wieder los wird, desto besser. Selbstverständlich gibt es auch viele Mütter, die in Vollzeit zurückkehren, aber unser Ziel muss die individuelle Wahlmöglichkeit vor dem Hintergrund bestmöglicher Vereinbarkeit sein – keine Unterordnung unter ein Arbeitgeberdogma.

Der Blick einer finnischen Journalistin auf Deutschland zeigt die ganze Dimension unseres Problems:

Dann finde ich eine Statistik, der ich kaum Glauben schenken kann. Es geht um Familien, in denen das jüngste Kind zwischen sechs und 14 Jahre alt ist. Wenn eine solche Familie in Finnland lebt, dann arbeiten in 72 Prozent der Fälle beide Elternteile in Vollzeit. In Deutschland liegt diese Zahl bei nur 18 Prozent; der Unterschied ist riesig. Es trifft vor allem die Frauen.

Die Situation ist regelrecht absurd. Auf der einen Seite lamentieren Arbeitgeber vom Fachkräftemangel und beschwören politische Intervention angesichts pessimistischer Zukunfts-Szenarien. Parallel dazu läuft die eigene Employer Branding Maschine auf Hochtouren um das eigene Unternehmen im besten Licht dastehen zu lassen. Doch die Potemkinschen Dörfer unternehmerischen Kümmerns um die eigenen Angestellten sind längst ihrer Tarnung beraubt. In der Realität gelten Mütter und Frauen in Teilzeit als lästige Bittsteller. Sie werden allenfalls ertragen, von aktiver Einbindung sind wir in der Regel weit entfernt.

Haben wir sie noch alle? Ganz offensichtlich nicht.

Laut einer Studie lassen sich Beruf und Familie nur in Japan so schlecht vereinbaren wie bei uns. Es herrscht riesiger Frust und das Gefühl der Wertlosigkeit unter vielen Müttern. Das ist in Zeiten hormoneller und energetischer Herausforderungen der Mutter- und Elternschaft doppelt perfide.

Was mich an den Diskussionen im Bekanntenkreis zudem erstaunt, ist die Perspektive, die manche Frauen im Diskurs einnehmen. Sie argumentieren in ganz vielen Fällen gegen ihre eigenen Interessen und Standpunkte, indem sie diejenigen ihrer Arbeitgeber einnehmen. Sie äußern vielfach sogar Verständnis für deren Sorgen und Nöte und machen sich ihrerseits Vorwürfe, sie würden das Unternehmen im Stich lassen. Das ist spätestens der Zeitpunkt, an dem sich meine Wut Bahn bricht. Statt Advokatinnen ihrer selbst zu sein, geißeln sich diese Frauen noch ob eines vermeintlichen Defizits.

Genug davon!

Aber jetzt verrate ich den Personalern und den Unternehmen, die glauben, sie könnten sich ein Verhalten wie oben beschrieben leisten, mal ein Geheimnis: Das dicke Ende wird kommen. Das Verhalten gegenüber Wiedereinsteiger_innen und Teilzeitkräften wird sich sehr wohl deutlich auf die eigene Reputation als Arbeitgeber auswirken. Denn es geht nicht mehr nur um diejenigen, die sich nur schwer wehren können und konnten. Ich bin jetzt auch im Spiel, und mit mir Millionen ähnlich empfindender Frauen und Männer!

Wir haben die Schnauze voll davon, dass Ihr uns und unsere Frauen behandelt wie Menschen zweiter Wahl. Wir können Euer diskriminierendes Kalkül im Umgang mit Müttern und Vätern nicht mehr ertragen. Wir haben Euer Gejammer satt, wie schwierig es sei Schwangere und Mütter in der ein oder anderen Abteilung zu ersetzen. Wir wehren uns gegen die Abwertung ganzer Bevölkerungsgruppen und dagegen, dass Ihr uns allen die Vereinbarkeit so schwer macht. Ihr seid nicht mehr der Mittelpunkt von allem. Wir sind es.

Natürlich sind nicht alle Unternehmen böse, und selbstverständlich gibt es zahlreiche positive Beispiele wertschätzender Unternehmenskulturen. Aber wer sich einmal bei jungen Müttern und Vätern umhört und ernsthaft versucht ihre Situation zwischen Kind und Karriere (und z.T. Pflege) zu verstehen, der wird begreifen, dass die große Mehrheit der Mütter und Eltern in Deutschland nach wie vor unter den gegenwärtigen Bedingungen leidet. Elternschaft, insbesondere Mutterschaft (von den Alleinerziehenden mag ich gar nicht erst reden) ist der Einstieg in die berufliche und soziale Abwertung. Und das im Jahr 2016, und das in einer der größten Volkswirtschaften der Welt.

Andere Fragen fragen

Können wir uns das leisten? Ganz offensichtlich: ja. Daher muss die Frage anders lauten: Wollen und dürfen wir uns das leisten? Aus einer betriebswirtschaftlichen Perspektive muss eine ethisch-moralische Diskussion werden. Am Ende wird dann auch wieder eine volkswirtschaftliche Debatte daraus; nämlich dann, wenn sich die Motivation und Loyalität der einstigen Minderheit in ein gesteigertes Bruttoinlandsprodukt übersetzen lässt.

Fangen wir also endlich damit an. Zeigen wir jungen Mitarbeiterinnen, dass unser Umgang mit Müttern und Eltern höchste Priorität in unseren Firmen genießt. Sie werden es uns danken. Es besteht ein gewaltiger Unterschied zwischen einer Mitarbeiterin, die damit rechnen muss ihren Kinder- und Familienwunsch mit einem signifikanten Karriereknick zu bezahlen, und einer Berufseinsteigern, die von diesbezüglichen Positivbeispielen umgeben sicher sein kann, dass ihre berufliche Zukunft im Unternehmen liegt. Und zwar völlig unabhängig davon, ob sie Kinder bekommen will, wann sie diese bekommt und wie viele Kinder es sein sollen.

Wir können uns nicht länger mit dem Status Quo abfinden. Etwa, dass Unternehmen damit durchkommen, wenn sie junge Frauen und Männer diskriminieren. Ich bin die Diskussionen leid, in denen sich vor allem junge Frauen gegenseitig ihr Leid klagen: von unnachgiebigen Arbeitnehmern, diskriminierenden Vorgesetzten und schikanösen Kolleg_innen. Höchste Zeit also, dass wir Dinge im Bewusstsein unseres Könnens unnachgiebig einfordern. Die Zeit ist ohnehin auf unserer Seite.

13 Gedanken zu “Wollen wir uns das leisten? Für ein Ende der Mütter-Diskriminierung

  1. Sehr schön!! Gutes Statement! Ich bin selbst Mutter in der zweiten Elternzeit und habe diese Wiedereinstiegsdiskussionen hinter mir. Daher habe ich mich dafür entschieden selbst aktiv zu werden und etwas zu gründen, was wir Eltern in Elternzeit meiner Meinung nach unbedingt brauchen: einen Prozess, in dem wir selbst unser Leben als Mutter (Vater) in die Hand nehmen und uns während der Elternzeit die Basis legen für ein zufriedenes Leben mit Kind und Karriere. Der erste Arbeitgeber ist jetzt sogar eingestiegen und fördert, obwohl der Prozess klar ergebnisoffen ist und die Mitarbeiterin (der Mitarbeiter) entscheiden könnte zu kündigen und selbst zu gründen oder einen anderen Arbeitgeber zu suchen. Aber wäre das immer so schlimm? Wenn das alles wohlwollend und wertschätzend passiert, dann öffnen sich wieder neue Türen mit neuen Partnerschaften und neuen Geschäftsideen. Für die Eltern geht es darum bewusste Entscheidungen zu treffen und darum GestalterIn zu werden, raus aus der Opfer-Rolle, rein ins quer denken! Es wird nicht „weniger“ oder „mehr“, sondern „anders“! Wir gestalten jetzt das System um, so wie es für uns besser passt und alle was davon haben. Schritt für Schritt. Wenn das erlaubt ist, hier der Link, ansonsten halt streichen: http://www.elterngarten.org

  2. Toller Beitrag, danke dafür! Er trifft leider auch unser Familienleben und die wesentlichen Probleme im Kern!

  3. „Wenn eine solche Familie in Finnland lebt, dann arbeiten in 72 Prozent der Fälle beide Elternteile in Vollzeit. In Deutschland liegt diese Zahl bei nur 18 Prozent;“
    Diese Studie ist kein Beleg dafür das es in Finnland besser ist als in Deutschland. Vielleicht sogar ein Gegenbeweis.
    Schon 2007 haben in Deutschland 45% der Frauen in Teilzeit gearbeitet. Und wir liegen mit dem Anteil an Teilzeitarbeit im europäischen Vergleich weit vorne.
    http://europa.eu/rapid/press-release_STAT-08-158_de.pdf

    Auch meine persönlichen Erfahrungen sind das es nicht sonderlich schwierig ist Teilzeitarbeit zu finden. Wir sind genau die Zielgruppe mit 6-14 jährigem jüngsten Kind und meine Frau kann problemlos Teilzeit arbeiten. Auch bei meiner Arbeit haben wir ein breites Arbeitszeitspektrum (12h – 37,5h).

  4. Hallo, ich befinde mich gerade mitten in diesem Dilemma mich entscheiden zu müssen. Entweder nehme ich einen Job der mir nicht gefällt, der sich dafür aber besser mit meiner Familie vereinbaren lässt, oder ich nehme den Job der mir sehr viel Spaß und Erfüllung gibt, für den ich dann aber meine Kinder ganztags in die Betreuung geben muss, da es laut Arbeitgeber nicht geht, nur vormittags zu arbeiten. Ich habe studiert, 2 Kinder und einen tollen Mann! Seine Firma war bisher immer sehr Familienfreundlich und hat uns viel ermöglicht! Aber jetzt möchte ich auch mal dran kommen! Die Entscheidung wird sehr schwer!

  5. Danke für diesen hochdringenden Einblick und Alarm! Als Mutter grösserer Teenager blicke ich auf 20 Jahre Kampf und Sabotage gegen genau diese Behandlung und Abwertung zurück. BITTE DISKUTIERT DIES BESONDERS MIT DEN JUNGEN SOG. ANTIFEMINISTINNEN, die nicht glauben, dass sich die gefühlte Gleichbehandlung mit dem Mutterwerden drastisch ändert! Sie laufen nicht nur selbst ins offene Messer, sondern spielen damit noch denen in die Hände, die im War for Talent auf Asiaten, Inder und Migranten spekulieren, und einheimische Mütter damit aus dem Rennennen drängen. Die Heerscharen beruflich selbständiger Mütter in meiner Generation mussten irgendwann der Blockadefront ausweichen – IHR JUNGEN MÜTTER BLEIBT BITTE HARTNÄCKIG UND IM SYSTEM! ÜBT ÖFFENTLICHKEITSDRUCK AUS! Wir Älteren kümmern uns politisch um Ausichtsratsquoten (www.fidar.de), sind in den Old-Boys-Netzwerken präsent, für die Ihr noch keine Zeit habt (immer abends!) und stellen unsere Erfahrungen zur Entwicklung junger weiblicher Fach- und Führungskräfte zur Verfügung (z.B. Lean In Circles in jeder grösseren Stadt, ehem. Top-Führungsfrauen als Frauencoaches).
    Katinka Ackermann, München

  6. Ich habe auch die Erfahrung gemacht, die Herr Franken beschreibt – nach 7 Monaten Elternzeit wollte ich zurück ins Unternehmen (in Vollzeit!) und statt das wertzuschätzen hat man mir den Aufhebungsvertrag angeboten. Da musste ich nicht zweimal überlegen, ob ich in dieses Unternehmen zurück will. Mittlerweile bin ich selbständig. Wieder eine motivierte Arbeitskraft raus aus einem großen Unternehmen.
    Ich möchte aber noch zwei weitere Aspekte in die Diskussion bringen:
    1. gibt es (für mich leider) auch die Frauen, die sich entspannt zurücklehnen, wenn sie schwanger sind und als Mutter zwar alte Rechte einfordern, aber auf der anderen Seite nicht bereit sind, sich auch nur ansatzweise so einzubringen wie zuvor. Ich verstehe, dass das eine ungute Situation fürs Unternehmen, vor allem aber fürs Team ist.
    2. ärgert es mich, dass wir immer noch darüber diskutieren, dass Teilzeit für Mütter möglich sein muss. Mein Ideal-Szenario ist die 30-Stunden-Woche für Männer und Frauen! Dann haben wir endlich das leidige Thema Altersarmut für geschiedene / verwitwete Mütter, die Jahrelang nur in Teilzeit gearbeitet haben, vom Tisch! Dann erreichen wir Partscherschaften auf Augenhöhe! Dann haben Väter eine reelle Chance, für ihre Kinder da zu sein statt nur die Rolle des Freizeit-Bespaßers einzunehmen! …
    Ich finde, wenn schon anders, dann besser!

  7. Vielen Dank für den Beitrag und die vorherigen Reaktionen. Ich selbst habe ähnliche Erfahrungen gemacht und daraufhin in einer Arbeitsgruppe einen Entwicklungsplan erarbeitet, der die Familienzeit als natürlichen Lebensabschnitt mitberücksichtigt. Ich hoffe, dass solch ein verbindlicher Plan, begleitet vom Personalwesen, einen Beitrag zur besseren Vereinbarkeit bzw. Selbstverständlichkeit der Elternzeit für Frauen und Männer beiträgt. In den Niederlanden arbeiten viele Frauen sowie Männer in Teilzeit – um so auch die häuslichen und familiären Pflichten und Freuden gleichermaßen erfüllen bzw. genießen können. Vollzeitnahe Teilzeit mit 30 Stunden pro Woche für beide Elternteile halte ich für ideal, auch um eine Armut im Alter vorzubeugen.

  8. Ich habe ähnliche Erfahrungen gemacht. Nach drei Monaten Elternzeit wollte ich wieder in meinem Job zurück, was abgelehnt wurde und nach Ende der Elternzeit hatte ich einen Aufhebungsvertrag vorliegen. Und das als Personaler. Trauer und Wut war die Folge. Auf die Arbeitgeber, denn ähnliche Erfahrungen haben andere in meinem Freundes- und Bekanntenkreis auch gemacht.
    Allerdings habe ich als Personaler auch die Erfahrung gemacht, dass es da einige Mütter gibt, die schwanger werden und sich dann nur noch mit dem Thema Kind beschäftigen, die emotionale Nähe zum Unternehmen komplett verlieren und darauf warten, dass der Arbeitgeber ihnen kurz vor Ende der Elternzeit die Ideallösung für den Wiedereinstieg präsentiert. Wenn man sie fragt, welche Lösung sie mitbringen damit der Wiedereinstieg gelingt, auch aus Unternehmenssicht, kommt relativ wenig.
    Die Arbeitgeber und die Personaler wissen, dass ihre Prozesse zur Elternzeit und dem Wiedereinstieg nicht gut laufen. Aber werden wir das ändern, indem wir noch mehr auf sie rumhacken? Wenn wir was ändern wollen, dann lassen Sie uns die Arbeitgeber unterstützen. Diese brauchen Lösungen und Best Practise Beispiele, wie das ganze gut funktionieren kann. Doch wo finden Arbeitgeber diese? Arbeitgeber brauchen Aufklärung welche Vorteile es hat, die Prozesse für die Elternzeit und den Wiedereinstieg zu gestalten.
    Wenn Sie was ändern wollen, dann lassen Sie uns Arbeitgeber dabei helfen, wie sie es in Zukunft bessern machen können. Lassen Sie uns mehr auf Lösungen für die Elternzeit & Wiedereinstieg aufmerksam machen und von Unternehmen berichten, die mit guten Beispielen vorangehen. Das Thema braucht mehr Präsenz neben Recruiting, Employer Branding, Talent oder Change Management. Damit der Wiedereinstieg für Mütter (und Väter) in Zukunft besser wird. Denn darum geht es uns ja, oder?

  9. Ich habe das als klassische Vollzeit-Angestellte bei meinen ersten zwei Kindern auch gemerkt – „Wiedereinstieg“ nach 3 Monaten in Teilzeit nach dem ersten, 2 Jahre später in Vollzeit inkl. 2. Kind, da war ich nur geduldet und ständig kritisiert, auch meine Stellung als Betriebsrätin brachte maximal formalen Schutz. Zum 3. Mal schwanger, ging ich von selber, 14 Jahre lang habe ich Haus gebaut, Kinder bekommen und erzogen, alles von ABM bis Selbständigkeit probiert, die sollten mich doch alle mal gerne haben! Hatten sie auch – nicht. Nun ist das jüngste Kind 8 und ich habe wieder einen Festvertrag – in Teilzeit, mehr will und brauche ich auch nicht und schaffe ich auch nicht mehr mit bald 50 und immer noch genügend Arbeit zu Hause. Über die Erfahrungen und Entwicklungen, die ich machen konnte, bin ich nicht böse, bin auch nicht so abhängig von dem Geld und der Anerkennung durch den Beruf. Aber es wäre doch schöner gewesen, mich sicher und anerkannt zu fühlen in der Zeit, wo ich verletzbarer war denn je im Leben: Immer dann, wenn so ein kleiner Mensch auf mich angewiesen war und meine ganze Zeit und Aufmerksamkeit brauchte, so sehr, dass selbst die Geschwister, der Haushalt und ich selbst auf der Strecke blieben. Das geht vorbei, aber es ließe sich sogar genießen, wenn alle endlich als das wahrgenommen werden würden, was sie sind: Die Zukunft – denn kein Unternehmen der Welt besteht ohne Nachwuchs, ist nun mal so.

  10. Pingback: #Vereinbarkeitsgeschichten Teil 2 - Vereinbarkeitsblog

  11. Ich bin selbst Personalerin mit einem Kind. Ich habe die Elternzeit nach 6 Monaten beendet, auch weil es verdammt schwierig war, für die recht kurze Zeit adäquaten Ersatz für mich zu finden. Das ist nämlich ein weiteres Problem, wenn man nicht einer unter vielen ist oder es eine Stellvertretung gibt.
    Mir wäre mehr Flexibilität auch lieber, aber in D scheint es immer nur die Extreme zu geben. So habe ich eine Mitarbeiterin, die sich nach 2 Jahren Betriebszugehörigkeit in die Mutterschaft verabschiedete und sich nun in der 3. Elternzeit hintereinander befindet. Am Ende werden es 8 Jahre Elternzeit gewesen sein. Und zurückkehren wird die Dame bestimmt nicht, da sie inzwischen 400 km entfernt wohnt. Dafür muss ich eine Planstelle freihalten? Da hätte ich lieber zwei weibliche Halbtagskräfte auf der Position!

  12. Pingback: Ein Statement gegen die Mütter-Diskriminierung |

  13. Nach meiner ersten Elternzeit bin ich in den Betrieb zurückgegangen. Leider wollten die Kunden (Beraterbranche in der IT) niemanden haben, der in den letzten drei Jahren keine Erfahrung hatte. Daher saß ich die meiste Zeit rum. Viele Zertifikate habe ich gemacht, und trotz langer Auszeit noch mit allem Wissen und Leichtigkeit. Dann habe ich einen Auflösungsvertrag angeboten bekommen, weil sie keinen Kunden für mich fanden und keine Internen Projekte mehr durchführten. Nach dem Auflösungsvertrag wurde ich wieder schwanger (zum letzten Mal).
    Nun versuche ich ein Projekt zu starten, in dem ich Menschen in ähnlicher Situation die Möglichkeit gebe, neue Projekterfahrung sammeln zu können, um in der IT-Branche wieder erfolgreich sein zu können. Wenn möglich sogar noch gefördert und vielleicht sogar mit richtigen Kunden. Da ich in der Startphase bin, ist noch nicht viel vorbereitet und vor allem noch unbekannt. http://www.reentryit.wordpress.com

    Natürlich suche ich Leute, die mich unterstützen in der Verbreitung meiner Website und dem Aufbau meines Konzeptes.

    Übrigends, was ich gerade in meiner Branche fürchterlich finde, ist die Argumentation, man kann nicht von morgends um sieben bis abends um acht tätig sein, deswegen würde man nichts finden. Bevor ich Kinder hatte, hatte ich nur Jobs in denen ich tatsächlich die vertraglichen 40 Stunden arbeiten konnte, ohne schief angesehen zu werden und auch früh beginnen und früh aufhören konnte. Zu der Zeit habe ich gerne und viel Überstunden gemacht. Aber kaum ist man abhängig von der festgelegten Stundenzahl und auch von den Uhrzeiten wegen Krippe/Kindergarten/Schule, ist es plötzlich nicht mehr möglich. Dabei würde ich mich in diesem Rahmen und auch abends zu Hause genauso engagieren wie vorher. Nur mit weniger Stunden da die Kinder mich ja brauchen.

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