Die Angst der Männer

Auf einer Veranstaltung des NRW-Familienministeriums zeigte sich auch, dass manche Männer mit Fragen der Diskriminierung von Frauen herzlich wenig anfangen können. Woran liegt das?

In der vergangenen Woche habe ich im Rahmen einer Veranstaltung des Ministeriums für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen (MFKJKS) in Bielefeld einen Vortrag gehalten. Das Event hieß „Bewegte Zeiten für Väter“. Nach einer Podiumsdiskussion  (ab Minute 59:45) mit Ministerin Christina Kampmann sowie Andreas Steinle vom Zukunftsinstitut hatte ich am Nachmittag eine Denkwerkstatt mit folgendem Titel angeboten: „Das männliche System – warum „fixing the women“ eine Katastrophe ist“.

vatertagung-bielefeld

Podiumsdiskussion (Foto: MFKJKS)

Das Publikum war angenehm gemischt, es waren viele Verantwortliche öffentlicher und kirchlicher Träger und Sozialverbände gekommen. Ich hatte vor, die Zuhörer_innen durch die Schilderung verschiedener Missstände zum Nachdenken zu bewegen. Doch das musste ich gar nicht tun. Von Anfang an entspann sich eine lebhafte Debatte zu den Aspekten Frauenförderung, leaky pipelines, vermeintlichen Meritokratien oder Lohngleichheit.

Doch an einer bestimmten Stelle kippte die Diskussion. Insbesondere zwei Herren im Publikum schienen gar nicht einverstanden mit meiner Darstellung flächendeckender Diskriminierung von Frauen. Ein Zuhörer fand mangels klarer Definition der von mir verwendeten Systembegriffe gar die Debatte an sich quasi unführbar. Im Laufe meines Vortrags unterbrach er, zunehmend aggressiv, mehrfach meine Ausführungen. Am Ende warf er mir „Männer-Bashing“ und eine unterirdische non-verbale Kommunikation vor.

Ein anderer Herr führte ins Feld, dass es nach seiner Erfahrung die Jungen und jungen Männer seien, die Diskriminierung erfahren würden. U.a. seien diese drei Mal häufiger einer Therapie mit Ritalin ausgesetzt als Mädchen und junge Frauen. Ich ging auf seinen individuellen Einwand ein, wollte diesen jedoch nicht als Argument gelten lassen, dass man nicht generell über die flächendeckende Diskriminierung von Frauen sprechen dürfe.

Nach diesen Wortmeldungen war die Atmosphäre im Raum durchaus angespannt. Insbesondere der Zuhörer. der die Frage nach der Trennschärfe der Begriffe aufgebracht hatte, war kaum mehr bereit meinen Ausführungen zu folgen. Zwar verlief der Vortrag in der Folge einigermaßen geordnet, die Vehemenz der männlichen Wortmeldungen gab mir dennoch sehr zu denken.

Denn es ist kein Einzelfall, dass in Debatten um Gender, Diskriminierung oder Gleichstellung Männer zum Teil recht heftig agitieren. Hier scheint der Diskurs an Glaubenssätzen und tief sitzenden Überzeugungen zu rütteln. Und nicht wenige Männer reagieren mit Aggression und Zurückweisung.

Mir ist es wichtig, dass ich verstehe, was genau sie so irritiert. Denn dass etwa Jungen in einigen Bereichen inzwischen von den Mädchen und jungen Frauen abgehängt wurden, oder gar als Verlierer gelten, ist ja nicht von der Hand zu weisen.

Dennoch gibt es da die Unwilligkeit oder Unfähigkeit zur Wahrnehmung eines diskriminierenden Systems. Statt dessen drehen viele Männer den Spieß um und begeben sich selbst in die vermeintliche Opferolle. Mir ist noch nicht ganz klar, woher genau eine solche Reaktanz stammt. Ich will sie aber auch nicht einfach abtun oder übergehen, denn dahinter steckt unter Umständen eine Menge Angst und Unbehagen.

Gleichzeitig wehre ich mich gegen die Aggression, die da beinahe stets mitschwingt. Für viele Männer scheint Angriff die beste Verteidigung. Und wenn gar nichts mehr hilft, sprechen einige vom „Genderwahn“. Ein Feedback auf die Veranstaltung des MFKJKS stammt von der Facebook-Seite der Väter-Kampagne des NRW-Familienministeriums:

Kann es sein das die Veranstaltung völlig nach hintern losgegeangen ist? Was hat ein Gendervortrag auf einem Vaterkongress zu suchen? Das ist doch suboptimal! Der ganze Genderquatsch gehört ja hier am wenigsten hin! In Norwegen wurde die ganze Finanzierung gestoppt, die Programme eingestellt. Väter und Mütter sind und bleiben in ihrem Wesen unterschiedlich und in ihrer Individualität so kostbar für die Kinder. Damit haben sich die Veranstalter einen Bärendienst erwiesen. Unfassbar!

In eine ähnliche Richtung argumentierte mein kritischer Kommentator auch nach meinem Vortrag. Ich hätte darauf hinwiesen müssen, dass ich gegen Männer argumentieren würde – er wäre dann ferngeblieben. Das macht mich ein wenig sprachlos.

Insgesamt war das Feedback übrigens ausgesprochen positiv, und zwar auch und vor allem von den anderen Männern. Nicht jedem haben meine Ausführungen gefallen, aber die meisten haben sich auf die Gedanken eingelassen und ihrem Wunsch Ausdruck verliehen an einer fairen und gleichberechtigten Gesellschaft aktiv mitzuwirken. Und das lasst doch hoffen.

14 Gedanken zu “Die Angst der Männer

  1. Hallo!
    Danke für Ihr Engagement!
    Für mich als Frau und Mutter ist das ein wichtiges Thema und ich finde es sehr wichtig, dass sich Männer damit befassen! Täglich merke ich, dass vor allem Mütter in unserer Gesellschaft benachteiligt sind, weil sie entweder permanent auf zwei Hochzeiten gleichzeitig tanzen oder finanziell extrem benachteiligt sind – aber weder bei Männern noch bei den betroffenen Frauen ist es ein Thema! Wie kann das sein? Natürlich werden auch Männer/Jungen in bestimmten Bereichen benachteiligt und viele kinderlose Frauen haben ähnliche (nicht die gleichen!) Chancen wie Männer, aber sobald Kinder ins Spiel kommen, beginnt eine beispiellose strukturelle Ungleichheit, die sich vor allem auf die Gesundheit und die Finanzen der Frauen auswirkt.
    Wenn ich darüber spreche, habe ich ähnliche Erfahrungen gemacht wie Sie bei Ihrem Vortrag, allerdings kamen die heftigen emotionalen Reaktionen von Männern, die negative Erfahrungen mit machtvollen Frauen gemacht haben (durch Scheidung oder dominante kalte Mütter). Dieses Ausgeliefertsein an das andere Geschlecht, das für uns Frauen durchaus eine bekannte Erfahrung (im Job, in der Beziehung, finanziell) ist, scheint für Männer doch sehr prägend und unerträglich zu sein.

  2. „Denn es ist kein Einzelfall, dass in Debatten um Gender, Diskriminierung oder Gleichstellung Männer zum Teil recht heftig agitieren.“

    Natürlich tun sie das. Es herrscht ein Bild vom Dämon „Mann“ und Opfer „Frau“. Viele Sorgen von Männer werden nicht ernst genommen oder sogar absichtlich lächerlich gemacht. Höhere Suizidgefahr bei Männern, schlechtere Gesundheitsversorgung, Absturz von Jungen in den Schulen mit steigender Tendenz seit etwa den 80er Jahren, 90% Männeranteil bei Drecksjobs, schwere, gesundheitsschädliche, gefährliche Arbeit werden fast ausschließlich von Männern gemacht gleichzeitig wird eine Frauenquote aber nur für die begehrenswerten Top-Posten in Politik und Wirtschaft gefordert. Männer arbeiten häufiger Vollzeit, leisten mehr Überstunden als Frauen und nehmen häufiger lange Arbeitswege in kauf… und vor Gericht bekommen Männer häufig härtere Strafen für die gleichen Verbrechen als Frauen und sind besonders als Väter in Familienrechten klar benachteiligt.

    Warum verwundert es jetzt nochmal, dass manche Männer bei dem Thema „heftig agitieren“?

    Wenn solche Probleme überhaupt angesprochen werden ohne sie lächerlich zu machen, kommt meistens ein „toxic masculinity“ als Antwort: Männer seien durch ihre Identifikation mit der „falschen Männlichkeit“ selber schuld an ihren Problemen. Der Tenor: Hat eine Frau Probleme ist das System schuld, hat ein Mann Probleme ist es seine Männlichkeit. Das ist 1A victim blaming. Und dass dabei genau die Geschlechtsstereotypen reproduziert werden die der Feminismus angeblich bekämpfen will, nämlich die Frau als hilfloses Opfer die ohne Schutz und Hilfe ihr Leben nicht meistern kann und der Mann als Täter, der entweder der Macker ist der sich mit Ellenbogen durchsetzt oder aber das Versagerweichei was letztendlich den Weg in Alkohol oder gar Suizid geht, scheint niemandem aufzufallen.

    Und zum „Weltmännertag“, bei dem es eigentlich um so Probleme wie die höhere Suizidgefahr von Männern oder deren schlechtere Gesundheitsversorgung gehen sollte, werden von ARD und ZDF männerfeindliche Späßchen gebracht, in der ARD erklärt eine Frau „mansplaining“ (ein Begriff der übrigens wegen seiner sexistischen Konnotation sogar von einigen Feministen abgelehnt wird) und ZDF postet ein gif wie eine Frau einen Mann fertig macht und das vom BMFSFJ geförderte „No Hatespeech“-Projekt postet auf seiner Seite witzige Bildchen wie etwa eine Frau mit Küchenmesser darunter steht „Men’s Rights“. Und wenn sich ein Mann wegen sowas aufregt, ist es „die Angst der Männer“.

    Tipp: Den Film „The Red Pill“ von Cassie Jaye gucken (wenn er nicht gerade mal wieder von feministischen Protesten mundtod gemacht wurde).

    • Sie kommentieren unter Angabe einer Mailadresse names „mindphuk@…“. Das sagt mehr über Sie und Ihre Intention, als Sie vielleicht glauben. Dennoch habe ich Ihren Kommentar freigeschaltet.

      In Ihrer Argumentation werfen Sie so ziemlich alles zusammen, was Ihnen offensichtlich auf dem Herzen liegt. Leider wird es durch diese Undifferenziertheit nicht wahrer, was Sie sagen. Ich will dennoch versuchen auf einige Ihrer Punkte einzugehen.

      Ein Film, der von „feministischen Protesten mundtod[sic]“ gemacht wurde/wird – das ist, mit Verlaub, populistischer Blödsinn. Es gibt den Film, niemand kann ihn also zum Schweigen bringen. Ob ich ihn mir ansehen will? Durchaus möglich.

      Ihre erschütternden Erlebnisse am Weltmännertag zeigen zwei Dinge. Erstens erneut den Unwillen zu differenzieren (denn es gab zahlreiche konstruktive Aktionen und Äußerungen zu und an diesem Tag). Zweitens scheinen Sie nicht unbedingt mit allzu großer Humortoleranz ausgestattet zu sein. Natürlich gibt es gifs etc., bei denen Männer verhöhnt werden. Aber es gibt keine systematische(!) und flächendeckende(!!) Diskriminierung von Männern aufgrund ihres (biologischen und/oder sozialen) Geschlechts. Diese Ebene müssen wir mindestens anerkennen, wenn der Diskurs nicht lächerlich werden soll.

      Die Argumentation „1A victim blaming“ ist einer derartige Verdrehung der Tatsachen, dass mir schleierhaft ist, wie man mit Ihnen auf eine Ebene kommen soll, auf der ein Austausch von Argumenten möglich ist. Daher meine Frage: Wo und wie genau fühlen Sie sich diskriminiert? Oder andersherum: Mir geht es auch und vor allem darum, dass Männer im Zuge der Gleichstellung ein erweitertes Repertoire zugestanden wird. Dazu gehört dann zum Beispiel auch, dass man das Thema Suizidneigung angeht. Dazu gehört die Möglichkeit alle Berufe anstreben zu dürfen. Dazu gehört ein großer Raum zwischen Ellbogen und Weichei. All die Dinge, die Sie nennen. Aber das widerspricht in keinster Weise der Argumentation, dass das System zunächst einmal _für_ Männer gebaut wurde. Und zum Glück begehren immer mehr Männer auf, die sich in diesem System nicht mehr wohl fühlen.

      Noch einmal: Benachteiligung in (schlimmen) Einzelfällen, Verfehlungen in bestimmten Bereichen etc. werden _nicht_ von mir negiert. Im Gegenteil. Allerdings vermenge ich nicht Äpfel mit Birnen um meine Argumentation schlüssig erscheinen zu lassen.

      • Immer mehr Männer sind eben der Meinung, dass das eben längst keine Einzelfälle mehr sind. 70% Suizidgefahr sind keine Einzelfälle. 90% Männeranteil in gefährlichen, schweren und gesundheitsschädlichen Jobs sind keine Einzelfälle. Dass Männer 23% länger arbeiten als Frauen sind keine Einzelfälle und regelmäßige Benachteiligung von Vätern in Familienrecht ebenfalls nicht. Mädchen machen 60% der Hochschulabschlüsse während in der Hauptschule die Jungen in der Überzahl sind, obwohl Jungen bei internationalen Tests wie Pisa gleich gut oder sogar besser als Mädchen abschneiden… Einzelfälle?

        40% (je nach Zählweise sogar über 50%) der Opfer häuslicher Gewalt sind Männer, trotzdem gibt es so gut wie keine Hilfseinrichtung für männliche Opfer. Das Hilfetelefongesetz richtet sich ausschließlich an Frauen und so ziemlich jede Kampagne zur häuslichen Gewalt, besonders von offiziellen Stellen, zeigt den Mann als Täter und die Frau als Opfer.

        Wir haben ein BMFSFJ welches auf Twitter sagt, es würde sich erst dann auch um Männer kümmern, wenn Männer benachteiligt werden. Sie sagen hier selber, dass es Benachteiligung auch für Männer gibt. Es herrscht offensichtlich eine Diskrepanz diesbezüglich, vom Ministerium wird für Männer nichts gemacht, wie so auch – Männer kommen ja nicht einmal im Namen vor.

        „Zweitens scheinen Sie nicht unbedingt mit allzu großer Humortoleranz ausgestattet zu sein.“

        Ich erinnere nur mal an Tim Hunt. Misandrie ist lustig, egal ob das nun von irgendwelchen Teenagern in Social Media verbreitet wird oder in weltweit veröffentlichenden Magazinen wie Vice… sowas hat ein („echter“) Mann auszuhalten. Aber wehe einer macht einen Spruch über Frauen, dann ist das mit dem Humor ganz schnell vorbei und der Mensch verliert seine Jobs, da kann er noch so sehr Nobelpreisträger sein und wichtige Beiträge zur Krebsforschung geleistet haben.

        „Ein Film, der von „feministischen Protesten mundtod[sic]“ gemacht wurde/wird – das ist, mit Verlaub, populistischer Blödsinn.“

        https://en.wikipedia.org/wiki/The_Red_Pill#Screening_cancellations
        https://www.change.org/p/palace-cinemas-stop-palace-cinemas-screening-the-red-pill-film
        https://www.theguardian.com/film/2016/oct/26/the-red-pill-melbourne-cinema-drops-mens-rights-film-after-feminist-backlash

        „Es gibt den Film, niemand kann ihn also zum Schweigen bringen.“

        Und das ist gut so, aber ohne Kickstarter-Kampagne würde es ihn nicht geben. Denn die Macherin hat keine Unterstützung bekommen als klar wurde, dass der Film kein Hitpiece wird, sondern sich kontrovers mit dem Thema auseinander setzen sollte.
        https://en.wikipedia.org/wiki/The_Red_Pill#Funding

        „Ob ich ihn mir ansehen will? Durchaus möglich.“

        Ich wäre an einer umfassenden Kritik des Films von Ihnen durchaus sehr interessiert.

        „Wo und wie genau fühlen Sie sich diskriminiert?“

        Wenn Probleme auf Grund meines Geschlechtes lächerlich gemacht werden, wenn ich pauschal durch mein Geschlecht als Täter dargestellt werde, wenn ich weiß, dass ich für Vergehen bis zu sechs mal härter bestraft werden könnte.
        https://de.wikipedia.org/wiki/Ulrich_Vultejus#Zitate
        https://www.law.umich.edu/newsandinfo/features/Pages/starr_gender_disparities.aspx
        Wenn ich weiß, dass ich keine Hilfe bekommen würde, wenn ich weiß dass die meisten Opferhotlines mich an Beratungen verweisen würden die mir erklären, wie ich weniger gewalttätig werden kann statt mir als Opfer Hilfe anzubieten, wenn ich weiß, dass es keine offizielle Stelle interessiert, wenn öffentlich zur Schau gestellter Männerhass (u.a. staatlich gefördert) als „Humor“ bezeichnet wird und ich als „humorlos“, wenn ich mich darüber beschwere… wenn ich weiß, dass ich im Falle einer Trennung um meine Kinder kämpfen müsste weil die Chance hoch ist, dass die Frau automatisch das Sorgerrecht zugesprochen bekommt, was sogar verfassungsrechtlich festgeschrieben ist da der Mutter besonderer Schutz und Fürsorge zugesprochen wird, Vätern nicht. Wenn ich weiß, dass für mich als Mann für Gesundheit weniger Geld ausgegeben wird als für die Gesundheit von Frauen,
        https://auschfrei.wordpress.com/2016/03/02/rechte-12-medizinische-versorgung/
        Wenn ich weniger berufliche Förderangebote habe, weil mein Geschlecht nicht als diskriminiert gilt gleichzeitig aber behauptet wird, dass Frauen doppelt so viel leisten müssten wie Männer oder wenn ich keine offiziellen Ansprechspartner bekomme, da Gleichstellungs- und Gleichberechtigungsbeauftrate nur Frauen werden dürfen, die darüber hinaus abgesägt werden, wenn sie es trotzdem wagen sich auch um Männer zu kümmern (siehe Monika Eberling) usw.

      • Diese Ebene müssen wir mindestens anerkennen, wenn der Diskurs nicht lächerlich werden soll.

        Nein. Der Diskurs wird lächerlich, wenn wir diese Ebene unhinterfragbar anerkennen müssen. Dann ist es nämlich kein Diskurs mehr.

      • Sie müssen gar nichts. Aber das hier ist mein Blog und somit darf ich an der ein oder anderen Stelle daran erinnern, dass es ein paar Tatsachen anzuerkennen gilt. Von „unhinterfragbar“ war nicht die Rede, zumal ich nicht einmal weiß, was damit gemeint sein soll.

  3. Sehr geehrter Herr Franken,

    ich zitiere aus Ihrer Antwort:
    “ Aber es gibt keine systematische(!) und flächendeckende(!!) Diskriminierung von Männern aufgrund ihres (biologischen und/oder sozialen) Geschlechts. Diese Ebene müssen wir mindestens anerkennen, wenn der Diskurs nicht lächerlich werden soll.“

    Also eine gesetzliche Regelung, nach der ein Mann aufgrund seines Geschlechts, benachteiligt wird, halte ich für systematisch und auch ziemlich flächendeckend. In NRW gab es derer innerhalb der letzten paar Monate gleich 2 Gesetze (LGG, Dienstrechtsreform).

    Nach § 8 Bundesgleichstellungsgesetz sind Frauen, soweit sie unterrepräsentiert sind, bevorzugt einzustellen und zu befördern. Dies gilt bei Männern nur, wenn zusätzlich [!] eine strukturelle Benachteiligung vorliegt. Im Umkehrschluss bedeutet dies, Frauen werden bevorzugt, auch wenn sie keine strukturelle Benachteiligung erfahren haben.

    In NRW gilt folgendes, wenn Männer unterrepräsentiert sind: [!]

    Hier reden wir von unmittelbarer Benachteiligung aufgrund des Geschlechts und nicht von einer Beseitigung von mittelbaren Nachteilen, durch geschlechtsneutral ausgestaltete Fördertatbestände, in deren Genuss auch Männer kommen können.

    Wenn also zwei Parlamente, Tatbestände formulieren, welche die Bevorzugung von Frauen aufgrund des Geschlechts vorsehen, was eine unmittelbare Benachteiligung eines Mannes bedeutet und die gleichen Tatbestände von Männern erfüllt werden, denen aber nicht die gleiche Begünstigung anheim fällt, verspüre ich ein leichtes Ziehen in meinem Gerechtigkeitsempfinden und dies mindert im Übrigen meine Humortoleranzgrenze ggü öffentlich rechtlichen Sendern bei der Verunglimpfung eines Männergesundheitstages, bei der die Chance verspielt wird, Männer zu einem Gesundheitscheck aufzufordern.

    Wenn Sie gerade in NRW das politische Standing von Frauenanliegen und Männeranliegen im Parlament vergleichen, gelangen Sie zu der Erkenntnis, dass Bottom-up Männeranliegen von den regierenden Parteien gar nicht, Frauenanliegen aber in aller Breite besprochen und verfolgt werden.

    Und da wundern Sie sich, wenn Sie im Frauenfördermainstream- NRW- Golfstrom auf einem Top-Down Väterkongress des Familienministeriums NRW zwei Piranhas entgegenkommen, die Ihr Narrativ in Frage stellen? Haben Sie sich mal gefragt, warum Sie als Co-Founder der Plattform „Male Feminist Europe“ einen Vortrag auf einem Väterkongress halten durften und keine Männerrechtler wie Arne Hoffmann oder Lucas Schoppe? Könnte es an der fehlenden Lobby liegen?

    Mit freundlichen Gruß
    Male Joghurt

    • Ich verurteile Diskriminierung jeglicher Art, auch die von Männern. Was mir aber langsam, aber sicher auf die Nerven geht, ist dieser Reflex: „Diskriminierung von Frauen? Aber ich werde auch diskriminiert!“ Das mag sein und das ist in jedem Falle schlimm. Aber es ist die Erhebung eines subjektiven Falls über eine objektiv-systemische Tatsache.

      Zum Fall in NRW: Wenn man sich vornimmt, die eine Diskriminierung zu heilen, geht das in einzelnen Fällen manchmal nicht ohne die Schaffung von Ungerechtigkeiten im Einzelfall. Aus subjektiver Sicht dieser Einzelfälle bedaure ich das. Dennoch sehe ich das große Ganze. Hier bleibt dann nur ein Appell an Solidarität. Dagegen zu klagen ist nicht, was ich mir wünsche. Aber es ist natürlich legitim, denn wir leben in einem Rechtsstaat. Am Ende entscheiden also die Gerichte über ein gesellschaftliches Vorhaben. Das mag man gut finden oder eben nicht.

      „Haben Sie sich mal gefragt, warum Sie als Co-Founder der Plattform “Male Feminist Europe” einen Vortrag auf einem Väterkongress halten durften und keine Männerrechtler wie Arne Hoffmann oder Lucas Schoppe? Könnte es an der fehlenden Lobby liegen?“
      Ob Männerrechtler keine Lobby haben? Da fragen Sie den Falschen. Ich war im Übrigen nicht in meiner Eigenschaft als Co-Founder von MFE eingeladen, sondern als Stakeholder in der Debatte.

      Einen Vorschlag hätte ich noch: Finden Sie es nicht etwas albern, dass Sie hier anonym mitdiskutieren?

      • „Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht“.
        Halten Sie sich bitte auch daran! Ich darf Sie höflichst bitten, meine E-Mail-Adresse auch nicht ansatzweise zu veröffentlichen. Löschen Sie diese bitte. Auf Spam-Mails habe ich keine Lust.
        Ich finde es im Übrigen gar nicht albern, politische Diskussionen im Internet anonym zu führen. Wie Sie bewiesen haben, ist ein Vertrauensvorschuss oftmals nicht angebracht.

      • Ist editiert. Sie haben sich hier öffentlich „Joghurt“ genannt. Ich werde mit Ihnen nicht weiter diskutieren, wenn Sie sich hinter Ihrer Anonymität verschanzen. Noch einmal: Das ist mein Blog, nicht „das Internet“.

  4. Eine flächendeckende Diskriminierung von Frauen kann ich nicht erkennen. Das wird dann immer mit Statistiken belegt, die völlig verzerrt fragen. Ja Frauen verdienen z.B. im Durchschnitt weniger, aber nicht primär, weil sie Frau sind, sondern andere berufliche Entscheidungen getroffen haben. Diese Entscheidungen waren aber frei. Entscheidungen haben Konsequenzen, das ist eben so und betrifft Männer wie Frauen.

    • Erstens ist es dann gerade wichtig zu beleuchten, warum Frauen „andere berufliche Entscheidungen getroffen“ haben. „Frei“ sind diese Entscheidungen nur in der Fantasie. Zweitens liegt selbst die bereinigte Lohnlücke noch bei etwa sieben Prozent. Zudem gibt es eine neue Forschung, wonach Frauen systematisch diskriminiert werden: In dem Moment, in dem der Frauenanteil an einem Berufszweig um zehn Prozent steigt, sinkt das Lohnniveau um vier Prozent. Das sind wissenschaftlich belegte Fakten.

      • Es gibt eben gewisse Vorlieben für bestimmte Jobs. Friseur zum Beispiel, typisch mit Frauen oder homosexuellen Männern besetzt, und oft schlecht bezahlt. Und frei sind auch Entscheidungen die Konsequenzen haben die zu weniger Geld führen. Es gibt Rahmenbedingungen die dazu führen. Klassisch wäre die Entscheidung für ein Kind und dessen Versorgung. Klar, kann auch der Vater dafür sorgen, aber wer hat sich den Typen der es nicht macht ausgesucht? Ist diese Entscheidung wirklich negativ oder wird dieses nur einfach so bewertet und diese Bewertung ist nicht die der Betroffenen usw.. Frei wären wir nur, wenn zum Lebensunterhalt gar keine Zwänge auf uns wirken würden. Bedingungsloses Grundeinkommen z.B. .
        Natürlich sinken Einkommen wenn mehr Menschen auf ein Segment im Arbeitsmarkt drängen.

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