Männer*, werdet Spülfeministen!

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„I identify as… tired.“ (Hannah Gadsby)

tl;dr:

  • Für mehr Gleichberechtigung brauchen Frauen* mehr Freiräume.
  • Die Gender Care Gap (von durchschnittlich 52,4 %) ist ein wesentlicher Teil des Problems asymmetrischer Geschlechterverhältnisse: Frauen sind nach wie vor erste Anlaufstelle für das Thema Kind & Haushalt.
  • Männer* könnten Care-Arbeit zunächst einmal dadurch aufwerten, indem sie einen großen Teil davon selbst erledigen.
  • Care- und Erwerbsarbeit müssen gleichberechtigt nebeneinander stehen.
  • Mehr Männer in Care = mehr Chancengleichheit

In einem Blogbeitrag bei Mädchenmannschaft wurden vor etwa zweieinhalb Jahren „linke Mackertypen“ kritisiert, die sich unter dem Deckmantel der Feminismus-Unterstützung nach vorne drängen würden. Neben einer Typisierung männlicher Feministen lieferte die Autorin Nadia Shehadeh damals auch ein paar gute Ratschläge für Männer* mit:

„Sie können sich sinnvoll beteiligen, indem Sie feministische Arbeit durch Geldspenden, Care-Arbeit, Putzdienste und vor allem in den meisten Fällen durch eigene Unsichtbarmachung unterstützen.“

Was zunächst wie ein Affront gegen potenzielle und reale männliche Unterstützer des Feminismus klingen mag, trägt viel Wahrheit in sich: Männer können den Feminismus auch und vor allem dadurch flächendeckend unterstützen, indem sie Frauen* Freiräume schaffen. Den Abwasch zu machen kann ein guter Anfang sein. Man könnte hier also durchaus von einer Art „Spülfeminismus“ sprechen.

Mika Doe aka Mareike nennt in einem Artikel aus dem Vorjahr die Kehrseite der Medaille, wenn sie den „Spülsexismus“ beschreibt:

Eine geschlechtergemischte Gruppe von Personen unternimmt irgendeine Aktivität. Sie fahren in eine Ferienwohnung, machen eine Party, besetzen ein leerstehendes Haus oder planen den Umsturz des Systems. Wie auf magische Weise hat Stefanie einen Dip gemacht. Caroline wischt den Tisch ab. Jens dagegen sucht die richtigen Schrauben für die Barrikaden. Torben sitzt in der Ecke und liest Judith Butler.

Asymmetrische Verteilung von Pflichten

Womit wir in jedem Fall bei der Frage nach den größeren Hebeln für die Bereitstellung besagter Freiräume wären. Diese Hebel liegen, da sind sich inzwischen nicht wenige Menschen einig, unter der Ungleichverteilung der Reproduktions- bzw. Care-Arbeit zwischen den Geschlechtern vergraben.

Auch und vor allem durch diese Ungleichverteilung entstehen weitere Lücken, wie etwa die Gender Pay Gap oder die Gender Pension Gap aka (i. d. R. weibliche) Altersarmut. Die grundsätzliche Asymmetrie zwischen Care- und Erwerbsarbeit bildet dabei lediglich die (ungerechte) Grundlage für ungleiche Teilhabe.

Die Gender Care Gap liegt laut zweitem Gleichstellungsbericht der Bundesregierung bei durchschnittlich 52,4 Prozent. Das bedeutet, dass Frauen in Deutschland im Durchschnitt 87 Minuten mehr Care-Arbeit leisten als Männer. Pro Tag, jeden Tag.

Sobald in einem Haushalt Kinder leben, steigt die Gender Care Gap auf durchschnittlich 83,3 Prozent. Im Alter von 34 leistet eine Frau zudem durchschnittlich fünf Stunden und 18 Minuten Care-Arbeit täglich, Männer hingegen nur zwei Stunden und 31 Minuten. Das ist eine Lücke von über 100 Prozent zwischen den Geschlechtern.

Anders formuliert: Die Frau ist nach wie vor eine Art Default-Option für das Thema Kinder und Haushalt.

Und genau hier liegt deshalb auch der Schlüssel zur Veränderung. Wenn wir es schaffen wollen asymmetrische Geschlechterverhältnisse zu beseitigen, dann kann das nur über eine deutlich höhere Beteiligung von Männern in den Bereichen Kinder, Haushalt, Familie etc. – kurz: Care – gehen.

Oder, anders formuliert: Männer* könnten Care-Arbeit zunächst einmal dadurch aufwerten, indem sie einen großen Teil davon selbst erledigen. So einfach wäre das.

Mental Load

Dabei geht es nicht nur um so sichtbare Tätigkeiten wie Müll raustragen, Schränke aufbauen oder das Auto in die Werkstatt bringen. Diese Dinge sind zu tun, keine Frage. Aber übrig bleiben hunderte anderer Sachen. Einzeln handelt es sich meist um Kleinigkeiten, in Summe jedoch ergeben sie einen mitunter kaum zu bewältigenden Wust an Aufgaben, an dem zumeist Frauen und Mütter nicht selten verzweifeln. Für die damit einhergehende Belastung hat sich der Begriff der Mental Load herausgebildet. Barbara Vorsamer schrieb dazu im SZ-Newsletter:

„In den meisten Familien, selbst bei denen, die sich die Arbeit selbst einigermaßen gerecht aufteilen, bleibt die Verantwortung an der Mutter hängen. Sie schreibt die Einkaufszettel und To-do-Listen und sie erinnert ihren Mann auch – unter Umständen mehrfach – an die noch zu erledigenden Aufgaben. Mental Load nennt man diese Denkarbeit, und sie ist anstrengend, ermüdend und unsichtbar.“

Patricia Cammarata hatte über das Thema Mental Load auf dem Female Future Force Day gesprochen und diesen Vortrag auch in ihrem Blog verarbeitet. Zu den Auswirkungen der Mental Load schreibt sie:

„Meine Lektion war: Energie ist endlich (hätte ich auch schon aus dem Physikunterricht wissen können). Energie ist eine Torte. Ich kann acht oder sechzehn Stücke rausschneiden, größer macht das die Torte nicht und am Ende ist die Torte weg. Für einen Job und ein Kind hat meine Energie leicht gereicht, für zwei auch noch, beim dritten war dann Schluss.“

Für was geht also die ganze Restenergie drauf?

Termine für U-Untersuchungen, neue Schuhe für die Tochter, Kuchen für den Kindergeburtstag, die Anmeldung zum Kletterkurs, die grundsätzliche Frage nach dem Wohnort zum Schuleintritt, der nächste Großelternbesuch, der eigene Job, der Hautausschlag des Sohnes, die kaputte Glühbirne im Flur, der Ablesedienst, das Päckchen für die Freundin in Bochum und und und… Bei genauerem Nachdenken fallen einem selbst spontan unzählige Dinge ein, die in Summe einen schier nicht zu bewältigenden Berg an ToDo’s verursachen.

Die Soziologin und Genderforscherin Franziska Schutzbach bringt es in einem Interview mit der Schweizer Tageswoche auf den Punkt:

„Frauen sind in der Regel diejenigen, die mit dem Gedanken einschlafen: «Morgen muss ich für die Kinder Hausschuhe kaufen.» Die daran denken, wann der nächste Test geschrieben wird oder der Arztbesuch ansteht, für welchen Kindergeburtstag es noch ein Geschenk braucht und so weiter. Diese Hauptzuständigkeit ist ein mentaler Stress, der zu Erschöpfungssyndromen führt. Väter sind oft ganz gute Assistenten, aber viele sind nicht bereit, wirklich ins Cockpit zu kommen.“

Männlicher Grassroots-Feminismus?

Und genau hier liegt also die Lösung. Eine männlich-feministische Grassroots-Bewegung müsste genau hier ihren Anfang nehmen: in der Verantwortlichkeit für mindestens 50 Prozent dieser Dinge. Ohne Aufforderung oder Vor-Organisation durch jemand anderen (i. d. R. die Partnerin), sondern in völliger pro-aktiver Eigenverantwortung.

Das wäre ein männlicher Beitrag zum Feminismus, der signifikante Folgen hätte. Denn durch die Entlastung zu Hause könnte sich Frauen verstärkt engagieren: im Feminismus, im Job, beim Lernen, in der persönlichen Weiterentwicklung, in Sachen Achtsamkeit und transformationaler Arbeit etc. All das würde wiederum auch Männern zugute kommen.

Unsere Wirtschaft und Gesellschaft würde unmittelbar davon profitieren, wenn Frauen ihre Zeit und Energie nicht zu einem Großteil im Care-Bereich einsetzen müssten bzw. wenn Männer einen signifikanten Teil dieser Aufgaben leisten würden. Aber wie kommen Männer da vielleicht hin?

Mir selbst (und ich bin vom Ideal einer 50/50-Aufteilung sicherlich weit entfernt) hat dabei sehr geholfen, dass ich für mich versuche Care- und Erwerbsarbeit, aber auch meinen Aktivismus, als gleichwertig zu verstehen und zu interpretieren. Das muss man immer wieder üben, aber die Einsicht eines Nebeneinanders dieser Tätigkeiten setzt sich dadurch auch bei mir immer mehr durch.

Ein Selbstläufer ist das aber nicht. Zu tief sitzen die Prägungen, nach denen nur das anerkannt wird, was auch Geld bringt. Dadurch entsteht nicht selten das Gefühl nichts Sinnvolles zu tu, wenn man einmal wieder Spülmaschinenreiniger im Drogeriemarkt kauft, statt vermeintlich „produktiv“ zu arbeiten.

Es macht für mich bei der eigenen Bewertung meiner Tätigkeit hoffentlich irgendwann kaum mehr einen Unterschied, ob ich einen Vortrag halte, eine Kundin berate, mich als Mentor betätige, die Toilette putze, die Windeln meines Sohnes wechsle, den Familieneinkauf erledige oder einen Blogbeitrag schreibe.

Natürlich wäge ich zwischen den genannten Tätigkeiten ab, wenn diese etwa zeitgleich anstehen. Aber ich spiele sie nicht mehr gegeneinander aus. Für mich ist das ein Fortschritt. 

So, und jetzt sollte ich die Wäsche zusammenlegen, die Küche putzen und meine Tasche für morgen packen. 

 

(Foto von Scott Umstattd bei Unsplash)

Sind wir wirklich die 99 Prozent? Über Branko Milanovics Buch „Global Inequality“.

Gelegentlich lese ich ein Buch, das meine Sicht auf bestimmte Sachverhalte ergänzt und manchmal sogar grundsätzlich verändert. Aktuell ist das der Fall bei Branko Milanovics „Global Inequality. A New Approach For The Age Of Globalization“. Bereits die allererste Abbildung im Buch verändert die eigene Perspektive auf die Globalisierung.

Denn während wir vom Verlust der Mittelschicht zumindest eine grobe Ahnung haben, fällt uns die Einordnung solcher nationalen Phänomene in einen globalen Kontext eher schwer. Milanovic stellt diesen Bezug her, indem er Einkommens-Daten zwischen 1988 und 2008 analysiert und ins Verhältnis setzt. Die zugrunde liegende Währung ist dabei der Internationale Dollar von 2005.

Interessant sind die Koordinatenpunkte A, B und C. C bezeichnet diejenige Percentile der Weltbevölkerung, von der wir im Zuge der globalen Finanzkrise ab 2008 häufiger hörten. Es geht um das eine Prozent, das den Großteil des weltweiten Vermögens auf sich vereint. Im Gegensatz dazu stehen die 99 Prozent, die sich in den Organisationen der verschiedenen Grassroots-Bewegungen (wie etwa der Occupy-Bewegung) Gehör zu verschaffen versuchten.

Milanovic zeigt jedoch auf, dass man den Blick auch und vor allem auf zwei Kohorten richten sollte, an denen klar ersichtlich ist, wer von der Globalisierung vor der Finanzkrise profitieren konnte – und vor allem: wer nicht. Bei Ersteren handelt es sich um die vierte bis fünfte Decentile weltweit (Punkt A in der Abbildung). Es sind wohlgemerkt nicht die reichen Schichten in ihren Ländern. Es handelt sich vielmehr um die aufstrebenden Mittelklassen der Länder Asiens, allen voran China, aber auch Indien, Thailand, Vietnam und Indonesien. Sie sind die Profiteure der Globalisierung in den 20 Jahren nach 1988. Milanovic bezeichnet sie als „emerging global middle class“.

Im krassen Gegensatz zu diesen Menschen steht derjenige Teil der Weltbevölkerung, den Milanovic „the lower middle class of the rich world“ nennt. Absolut gesehen verfügt diese Gruppe zwar über ein deutlich höheres Einkommen als die zuvor betrachteten asiatischen Kohorten, ihr Zuwachs an Realeinkommen betrug im betrachteten Zeitraum jedoch faktisch null. Es handelt sich um diejenigen OECD-Bürgerinnen und -Bürger, die mit ihren Einkommen in der unteren Hälfte ihrer jeweiligen Länder rangieren. Sie haben von der Globalisierung nicht profitiert.

Wenn man nun den Blick hebt und Milanovics Betrachtungs-Perspektive auf das Phänomen der Globalisierung anwendet, so zeigt sich unmittelbar, weshalb es in westlichen Zivilisationen derzeit zu solch dramatischen politischen Verwerfungen kommt. Die Abgehängten begehren auf – und sie haben mehrere Feindbilder für sich entdeckt.

Ohne an dieser Stelle in die Tiefe zu gehen (es steht noch ein Großteil der Lektüre von Milanovics Buch aus), lässt sich doch ableiten, dass der Schlüssel zu gesellschaftlicher Einigung vor allem darin besteht den bisher nicht von der Globalisierung profitierenden Bevölkerungsgruppen Zugang zu Einkommenssteigerung und entsprechender Teilhabe zu ermöglichen. Gleichzeitig täten wir gut daran diese Zusammenhänge sicht- und erlebbar zu machen, so dass die wahren Profiteure der Entwicklungen erheblich stärker in die Pflicht genommen werden können.

Update: Pünktlich zum Davoser Weltwirtschaftsforum, bei dem wie in jedem Jahr schlaue Menschen Männer über die Welt palavern, hat die Entwicklungshilfeorganisation Oxfam ihren Ungleichheitsbericht veröffentlicht. Danach besitzen die acht reichsten Menschen Männer der Welt mehr als die ärmste Hälfte der Weltbevölkerung.

Vom Gatekeeper zur Plattform zur Blockchain? Was folgt auf Uber, airbnb und Co.?

Wenn man früher mit dem Reisebus unterwegs war und in einer bestimmten Gaststätte Mittagspause machte, dann wusste man, dass der Busfahrer nichts für sein Mittagessen zu bezahlen brauchte. Im Gegenteil: Er kassierte in der Regel eine kleine Provision dafür, dass er dem Wirt ein paar Gäste zuführte. Damit kam man klar.

Wenn man heute die Instanzen analysiert, die bestimmten Geschäftsmodellen Kunden zuführen, dann fällt einem das Klarkommen nicht mehr ganz so leicht. Denn die Sache droht einigermaßen aus dem Ruder zu laufen. Die als Intermediäre fungierenden Plattformen haben ganze Industrien verändert und sorgen auch fortlaufend für große Umwälzungen. Für bestimmte Branchen ist die Luft bereits recht dünn geworden, so etwa für die Publishing Branche.

Die beiden größten Gatekeeper im Bereich der digitalen Werbung sind mittlerweile Plattformen: Facebook und Google. Bevor auch nur ein einziger Euro in den Kassen der Verlage oder Content-Anbieter landet, haben die beiden US-Konzerne laut aktuellem Meeker-Report bereits 85 Cent davon vereinnahmt. Die Reaktion der deutschen Publisher: Sie formen eine Allianz und poolen ihre User-Daten bei der Telekom-Tochter Emetriq. Auf diese Weise will man den Big Four die Macht über die Verlags-Daten entreißen und die Attraktivität der eigenen Advertising-Modelle sichern.

Derartige Konstellationen, bei denen sich klassische Unternehmen in ihrem Geschäftsmodell unmittelbar bedroht sehen, gibt es mittlerweile zuhauf. Uber hat die Taxi-Industrie bis ins Mark erschüttert, airbnb fügt der Hotellerie massive Verluste zu, und dank Spotify & Co. befindet sich auch die Musikbranche inmitten eines riesigen Umbruchs.

Und um auf das Eingangsbeispiel zurückzukommen: Auch in der Gastronomie tut sich einiges. Aktuell bieten die beiden Startups Deliveroo und Foodora in Deutschland einen Lieferservice für Essen aus Restaurants. Und eine ganze Reihe an Gastronomen nimmt bereits Teil. Laut ZEIT Online nutzen 2.000 Restaurants in Deutschland die Dienste von Foodora – zum stolzen Preis von 30 Prozent Provision pro Bestellung. Wer weiß, wie in der Gastronomie kalkuliert wird, der kann seine Skepsis an der Nachhaltigkeit solcher Partnerschaften nicht verhehlen.

Moment. 30 Prozent Provision? Das kommt einem doch bekannt vor. Die App-Economy ist mit dieser Provisionshöhe bestens vertraut, da Apple in seinem App-Store seit jeher diesen Anteil von den App-Entwicklern und -Betreibern einbehält. Das ist übrigens einer der Gründe dafür, weshalb sich mit Apps bis auf wenige Ausnahmen kaum Geschäft machen lässt. Im Falle der Lieferdienste verhält es sich vermutlich in naher Zukunft ähnlich.

Was einen unweigerlich zu der Frage bringt, welches Geschäftsmodell das der Plattformen ablösen wird. Denn der Plattform-Kapitalismus einer Sharing Economy – in Anlehnung an Sascha Lobo –  neigt sich dann seinem Ende, wenn er bestimmte Marktteilnehmer signifikant benachteiligt. Es ist eigentlich wie in einer funktionierenden Familie: Alle Beteiligten müssen sich mit der jeweiligen Konstellation wohlfühlen: Eltern und Kinder. Im Falle der Beziehung von Marktteilnehmern ist es etwas komplizierter, da es verschiedene Stakeholder-Perspektiven zu beachten gilt.

Über die verschiedenen Stakeholder im Bereich Food habe ich schon einmal ausführlicher geschrieben. Hier führt die spannungsgeladene Symbiose von Nahrungsmittel-Herstellern und dem Lebensmittel-Einzelhandel zu zum Teil abenteuerlichen Abhängigkeitsbehältnissen – mit schwerwiegenden Folgen für Produzenten, wie etwa Landwirte oder Verbraucher. Hier sind die Gatekeeper zumindest in Deutschland zwar noch einigermaßen unangetastet, doch Mega-Fusionen, wie zwischen Kaisers/Tengelmann und Edeka, oder der bevorstehende Start von amazon fresh werden auch in diesem Bereich für reichlich disruptive Veränderung sorgen.

Bei einem Verlag bzw. Medienhaus spielen, blendet man einmal die Gesellschaft als Ganzes aus, mindestens folgende Interessengruppen eine Rolle: der Verlag und dessen Shareholder, die Mitarbeiter bzw. die freien Content-Produzenten und die Nutzer bzw. Leser. Durch die Plattformen oder Intermediäre ist dieses Gleichgewicht einigermaßen durcheinander geraten, das alte (Gatekeeper-)Geschäftsmodell funktioniert nicht mehr.

Die Abhängigkeit von den Plattform-Anbietern hat in manchen Branchen ein Maß erreicht, das auch die neuen Konstellationen schon bald auf den Prüfstand stellen wird. Wenn für journalistische Angebote die Präsenz in den Timelines von Facebook und den SERPs von Google überlebenswichtig werden – und genau das ist der Fall -, dann haben sich die Machtverhältnisse endgültig (und wohl auch irreversibel) verändert.

Doch auch der wichtigste Stakeholder, nämlich der Nutzer selbst, ist von einer gewissen Entfremdung gegenüber den Anbietern betroffen. So schrieb der Start-up-Gründer Tariq Krim in einem Gastbeitrag für ZEIT Online: „Die Megaplattformen sind McDonald’s für unsere Köpfe.“ Er beklagt den Kontrollverlust angesichts algorithmisch gesteuerter Angebote und moniert die Unmöglichkeit der Entschleunigung.

Und auch die vermeintlich neuen Mächtigen können sich nicht in Sicherheit wiegen. Schon gibt es neue Bedrohungen, und diesmal sind die Platform-Betreiber die Gejagten. Um die ganz neuen Herausforderer zu verstehen, hilft ein Blick in den FinTech-Bereich.

Jahrhundertelang waren Banken geradezu prototypische Gatekeeper. Die Einstiegshürde für potenzielle Herausforderer lag einfach zu hoch. Weder waren Letztere in der Lage die technischen und rechtlichen Herausforderungen zu meistern, noch stellten ausreichende Verbreitung oder Aufbau von Vertrauen lösbare Aufgaben dar. All dies hat sich spätestens seit der Blockchain geändert. Wie dramatisch, das erklärt Don Tapscott im brand eins Interview am Beispiel von Western Union eindrucksvoll.

„Eine philippinische Haushaltshilfe, die in Toronto lebt und ihr Erspartes auf die Philippinen schickt, muss dafür viel Aufwand betreiben. Sie kriegt einen Scheck, löst ihn bei einer Bank ein, nimmt einen Bus zu einem Einkaufszentrum und geht dort zu einer Filiale von Western Union. Sie überweist ein paar hundert Dollar und zahlt dafür eine Gebühr von ungefähr zehn Prozent. Das alles dauert mehrere Stunden, in denen sie entweder arbeiten oder zumindest zu Hause sein könnte. Und dann dauert es auch noch vier bis sieben Tage, bis das Geld in Manila ankommt. Vor vier Monaten probierte die Frau eine Alternative aus: Sie überwies ihr Erspartes per Handy mit einer App namens Abra. Dabei handelt es sich um ein Blockchain-Programm, mit dem das Geld binnen Millisekunden auf dem Handy ihrer Mutter in Manila eingeht. Die sucht sich dann einen Auszahler in der Stadt, der in der Nähe ist und dem andere Kunden vertrauen. So kriegt sie das Bargeld innerhalb von ein paar Minuten, und alles kostet nur ein Prozent Gebühren. Für Western Union ist das keine gute Nachricht. Für die Start-ups, die auf die Technik setzen, schon.“

Und das ist erst der Anfang. Im Text zum zitierten Interview nennen die brand eins Autoren folgende potenzielle Anwendungsfelder für die Blockchain:

  • internationalerZahlungsverkehr
  • Aktienhandel
  • Onlinemarktplätze
  • Grundbuchregister
  • Echtheitszertifikate (zum Beispiel von Gold und Diamanten)
  • Lieferkettenkontrolle bei Lebensmitteln
  • Rechtemanagement von Musik und Kunst
  • Abrechnungsprotokolle im Internet der Dinge

Ist die Blockchain also das next big thing nach der Disruption durch Plattform-Anbieter? Die Technologie scheint jedenfalls einiges zurückzubringen, was bereits verloren schien. Die Datenhoheit läge wieder beim Individuum, und auch die Themen Sicherheit und Transparenz klingen zunächst einmal verlockend. Es wäre zumindest wünschenswert, wenn die Macht der Big Four (Facebook, Google, amazon, Apple) ein gewisses Gegengewicht bekäme. In gewisser Weise wäre das ja eine Art Neuanfang für digitale Geschäftsmodelle, die auf anderen Grundlagen basieren als die der genannten US-Konzerne. Ob Algorithmen am Ende des Tages demokratischer sind als Startups aus dem Silicon Valley, das muss die Zeit ans Licht bringen.

Mobil, aber unbeweglich – wie die Automobilindustrie um street credibility ringt

Es beginnt ganz häufig mit verbalen Veränderungen. Wo einst „Verlag“ draufstand, prangt seit geraumer Zeit die Bezeichnung „Medienhaus“. Wo man früher national-stolz „British“ war, so deutet BP mittlerweile durch „Beyond Petrol“ an, dass man sich der knapp werdenden Ressourcen im Kerngeschäft bewusst sei. Und die klassischen Automobilhersteller mutieren reihenweise zur „Mobilitätslösung“ und gelegentlich auch zum Mobility-Dienstleister.

Doch anders als bei der legendären „Aus Raider wird Twix“ Markenkampagne liegen der Neufirmierung der genannten Industrieteilnehmer nicht nur Marketingüberlegungen zugrunde. Aus manchen Wortungetümen spricht veritable Verzweiflung. Um nur ja nicht als rückwärtsgewandt zu gelten, soll nach Außen demonstriert werden, dass man sehr wohl begriffen habe, wohin die Branchenreise angesichts fundamentaler Herausforderungen geht. Weiterlesen

Verhandeln als Machtspiel. Warum Sparen gute Beziehungen verhindert

„Kaufleute sind Ehrenmänner.“

„Ein Handschlag unter Kaufmännern gilt.“

„Auf das Wort eines Kaufmanns kann man sich verlassen.“

So oder so ähnlich lauten die Beschreibungen, mit denen man mir im Laufe meiner Kindheit und Jugend den Kaufmannsberuf einordnete. Inhalt und Sinn solcher Zuschreibungen blieben mir als Quereinsteiger in Sachen Betriebswirtschaft lange verschlossen, dennoch machten sie stets Eindruck auf mich.

Später im Studium begann dann das große Fremdeln mit einer Profession, die die Schnittstelle von Wirtschaft und Wirtschaften bilden sollte. Zu klischeehaft erschienen mir deren Protagonist_innen mit ihren Barbour-Jacken, Studentenverbindungen und festen Karriereplänen. Gleichzeitig kam ich mir selbst defizitär vor: Ich hatte kein Aktien-Portfolio, kein Praktikum bei einem DAX-Unternehmen in Fernost absolviert und ich war auch nicht Teil einer studentischen Unternehmensberatung.

Mit dem Berufseinstieg merkte ich dann schnell, dass die ganze Distanzierung nichts half: Ohne Kenntnisse betriebswirtschaftlicher Zusammenhänge würde ich die ersten Karrierestufen kaum erfolgreich meistern. Außerdem machte es mir langsam Spaß. Besonders motivierend war die Erkenntnis, dass meine Art Dinge zu betrachten und mein Verständnis von Zusammenhängen gelegentlich durchaus im Einklang mit betriebswirtschaftlichen Theorien zu stehen schien.

Eine Sache wollte sich sehr lange kaum offenbaren: die sprichwörtliche Kaufmannsehre. Von Anfang an empfand ich das Wirken und Denken im unternehmerischen Kontext eher als evolutionären Prozess im Darwinschen Sinne. Anpassung bzw. Angepasstheit war eines der Hauptmerkmale, mit dem die Akteure ihren Spielraum ausfüllten. Ein anderes war die Reduktion allen Handelns auf den reinen Nutzenaspekt. Am Ende ging und geht es nur um eines: um Macht.

„Jammern ist der Gruß der Kaufleute“

Es mag Zeiten gegeben haben, da galt Leben und Leben lassen als ehernes Gesetz. Dienstleister und Unternehmenspartner, Mitarbeiter und Kunden – stets hat man nicht das Allerletzte aus ihnen herausgepresst, sondern sie im Wissen um Langfristigkeit von Beziehungen und Wirtschaftszyklen stets so eingebunden, dass ihnen ein Spiel- und Handlungsraum blieb. Mit einer Ausnahme: In absoluten Krisenzeiten hat man die Zügel angezogen.

Sparen: von der Ausnahme zur Regel

Dieses Zügelanziehen ist heute längst keine Ausnahme mehr. Es bestimmt das Miteinander, ohne dass Sparzwang herrschen würde. Sparen ist zum eigentlichen Prinzip mutiert; mit großen Auswirkungen auf die handelnden Akteure. Wer nicht bis aufs Blut verhandelt, gilt als schwach. Der umgekehrte Fall: Knallharten Verhandlern wird gehuldigt, sie sind die wahren Helden, um die sich Legenden ranken. Dabei spielt der Verhandlungspartner allenfalls eine mehr oder weniger tragische Nebenrolle.

Einen moralischen Wert suche ich in diesem Zusammenhang größtenteils vergeblich. Sparen ist zum Selbstzweck geworden. Schön ist das nicht, da der Schwächere immer verliert. Wer die bessere Verhandlungsposition hat, der nutzt sie auch gnadenlos aus. Dieses Prinzip manifestiert sich in mannigfaltigen Kontexten, besonders evident wird es jedoch im Miteinander (besser: Gegeneinander) von Herstellern und Händlern.

Der längere Hebel siegt

Die Anekdoten über Verhandlungen zwischen den Protagonisten sind Legion. Der Verhandlungspartner, der das im Überfluss besitzt, was der andere für sein Geschäft so dringend benötigt, ist stets der Sieger im großen Machtspiel.

  • So lassen z.B. die Zucker-Oligopolisten Hersteller von extrem süßer Koffein-Brause in Jahresgesprächen am langen Arm verhungern.
  • Vertreter von Discounter-Ketten nutzen ihre wertvollen Regalmeter um Hersteller unterschiedlichster Produkte zu demütigen.
  • Und um Mineralöl werden Kriege zwischen Nationen geführt, immer nach dem Motto: der Stärkere spielt seine gesamte Macht ohne Rücksicht aus.

Die Moral von solchen Geschichten? Es gibt keine. Denn die Botschaft an den einzelnen lautet stets: Sieh zu, wo du bleibst. Und das heißt übersetzt: Nutze jeden noch so kleinen Vorteil gegenüber deinen Mitmenschen aus. Die Begründung: Sonst machen es die anderen mit dir.

Ein Vorteil ist kein Vorteil

Ich will das nicht mehr. Und da ich das Große und Ganze nicht ändern kann, fange ich bei mir und in meinem direkten Umfeld an.

  • Ich pfeife auf die Recherche des letzten Promillepunkts bei der Rendite von Geldanlagen. Schließlich bedeutet die Jagd nach dem besten return-on-invest ohnehin nur, dass man irgendwelche multinationalen Konzerne unterstützt.
  • Ich verhandle mit meiner Putzkraft nicht darüber, ob sie nun zehn oder 13 Euro in der Stunde bekommt. Der Unterschied beträgt ohnehin nur den Gegenwert einer Schachtel Zigaretten im Monat.
  • Ich spreche mit Kunden und Partnern nicht nur dann, wenn ich etwas von ihnen will. Statt dessen nutze ich das ganze Geschäftsjahr zum Aufbau von Beziehungen, die auch dann Bestand haben, wenn es einmal schwierig wird.
  • Ich pfeife auf Vergünstigungen, die mir nicht zustehen. Kein „Freibiergesicht“ zu sein bedeutet auch, dass man auf leicht zu erschleichende Privilegien verzichtet. Ich brauche z.B. keinen Presseausweis, mit dem ich etwa kostenlosen Eintritt in Museen erhalte. Kunst ist schließlich nichts, an dem man ohne Not sparen sollte.
  • Ich gebe reichlich Trinkgeld. Wo ist der Sinn, wenn man ein opulentes Essen im Restaurant genießt, dann aber am Dankeschön für den Service spart? Ich gebe meist sogar bei schlechtem Service Trinkgeld, sozusagen als Charme-Offensive.

Das sind nur ein paar Beispiele, die beschreiben sollen, dass die Suche nach dem eigenen Vorteil meist in einer Sackgasse endet. Statt dessen birgt das buddhistische Prinzip, nach dem alle guten Gedanken und Taten irgendwie auch den Weg zurück zu einem selbst finden, erheblich größere Chancen für ein zufriedenes Leben. Der permanente Blick auf den eigenen Vorteil und ein Grundgefühl des Misstrauens hingegen verschleiern die Sicht auf das Wesentliche: die Beziehungen zu anderen Menschen.

Daumenschrauben statt „quantitative easing“ – Deutschland und die EU verlieren die Menschen aus dem Blick

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat in der vergangenen Woche angekündigt bis Ende 2016 über eine Billion Euro in den Kauf von Staatsanleihen der Euro-Mitgliedsländer zu investieren. Bundesbank-Chef Weidmann findet das scheiße nicht so gut und steht mit seiner Meinung nicht allein.

Ich bin kein Volkswirt und auch sonst habe ich eher ein gespaltenes Verhältnis zum Komplex des Finanzwesens. Aber ich habe den dringenden Verdacht, dass eine Maßnahme, die euphemistisch als „quantitative easing“ („Quantitative Lockerung“) bezeichnet wird, Auswirkungen hat, die der durchschnittliche Steuerzahler nicht gut finden kann. Beziehungsweise geht es in meinem Fall sogar um – Achtung, großes Wort! – eine Säule der Mittelschicht; steuerlich betrachtet. Ich bin jedenfalls ein Teil derjenigen zehn Prozent der deutschen Bevölkerung, die für über die Hälfte der Einkommensteuer verantwortlich zeichnen.

Der Staat macht sich dünne

Nun bin ich gerade Vater geworden und zusammen mit meiner Partnerin mache ich mir den ein oder anderen Gedanken zur Zukunft unseres Sohnes – und unserer eigenen. Man muss Piketty nicht gelesen haben um zu wissen, dass es mit Einkünften aus Erwerbsarbeit angesichts faktisch nicht existierender Zinsen unmöglich ist Vermögen (was für ein Wort!) aufzubauen. Und wenn neben fehlendem (Zins-)Glück auch noch Pech dazu kommt und etwa die eigenen Eltern Unterstützung brauchen (nicht in meinem Fall), dann stimmt die Gleichung überhaupt nicht mehr.

Und jetzt komme ich zur Rolle des Staates. Die Familie ist ja quasi die kleinstmögliche Versorgungseinheit und damit per se im ureigensten Interesse des Staates. Denn wo sich eine Gemeinschaft mit Kind(ern) bildet und zur gegenseitigen Risikoabsicherung und Versorgung antritt, da ist der Staat fein raus: und zwar aktuell leider auch im allzu wörtlichen Sinne.

Aller schlechten Dinge sind drei

Kindergeld, Elterngeld und Co. sind lahme Tropfen auf kochend heiße Steine. Kein Mensch bekommt Kinder aufgrund solcher finanzieller „Anreize“. Statt dessen minimiert der Staat sein Versorgungsrisiko und bürdet Selbiges den jungen Eltern auf. Und die sind womöglich gleich dreifach angeschmiert.

Wer in die Falle gerät zu einem Zeitpunkt gleich drei Generationen versorgen zu müssen, der hat wenig zu lachen. Wenn die eigenen Eltern zum Pflegefall werden und gleichzeitig eigener Nachwuchs ins Haus steht, dann gerät die dritte Priorität in Rekordgeschwindigkeit aus dem Fokus: die eigene Altersvorsorge. Wenn dann auch noch die Rahmenbedingungen (Niedrigzinsen) jegliche Vermögensbildung unmöglich machen, hat nur eines Konjunktur: das Prinzip „von der Hand in den Mund“.

Wer müssen soll, muss auch können dürfen

Nun mag man Jammern auf hohem Niveau gegen mich anführen, und im Vergleich, etwa zu allein erziehenden Elternteilen, stimmt diese Zuschreibung sogar, doch Zukunfts-Optimismus erzeugende Gegenwartspolitik sieht dennoch anders aus. Zumal Altersarmut sehenden Auges in Kauf genommen wird, vor allem im Falle von Frauen und Müttern ohne lückenlose Erwerbsbiografien.

Wenn der Staat erwartet, dass man die eigenen Eltern finanziell unterstützt und/oder pflegt, Kinder in die Welt setzt und auch noch an der eigenen Rentenlücke arbeitet, dann muss er die Rahmenbedingungen schaffen, unter denen das auch möglich ist. Zu suggerieren, dass die gesetzliche Rentenversicherung mehr ist, als ein Lückenbüßer, ist jedoch Volksverdummung. Wenn gleichzeitig Billionen in Staatsanleihen gepumpt werden und das Ziel dabei einzig und allein die Reduzierung der Zinsbelastung überschuldeter Staaten ist, dann läuft hier etwas gewaltig schief.

Falsche Prioritäten

Nicht, dass man mich missversteht: Natürlich müssen Bundesregierung, EZB und EU zusehen, dass die Wirtschaft floriert und der Euro-Raum nicht noch weiter auseinander driftet. Doch was bei all den Maßnahmen und Debatten viel zu oft vergessen wird, ist der Blick auf die Menschen und deren Bedürfnisse. Das gilt im Falle der jungen Familien ebenso wie für die drei Millionen deutschen Arbeitnehmer_innen, deren Erwerbslohn nicht ausreicht den Lebensunterhalt zu bestreiten, ebenso wie für hunderttausende jugendliche Arbeitslose in Südeuropa, wo wir sehenden Auges eine „lost generation“ zulassen.

Es geht um Verhältnismäßigkeit und um zielgerichtete Politik für den Einzelnen. Wo genau diese Ziele im Zusammenhang mit Familien- und Steuerpolitik derzeit liegen, erschließt sich mir dann nicht mehr, wenn nur noch Makro-Ebenen und Finanzmärkte im Fokus sind. Und spätestens dann stelle ich (m)eine Solidarität in unserer vielbeschworenen Solidaritäts-Gemeinschaft in Frage, die bis jetzt unantastbar schien. Es wird höchste Zeit die „quantitative Lockerung“ endlich dort anzuwenden, wo Menschen, und nicht Märkte, diese Lockerung auch spüren.