Vom Saulus zum Paulus – und wieder zurück? Über Ideale und das Älterwerden

Ich sage es einfach frei heraus: Ich mag Menschen nicht, die meine Einstellung Ungerechtigkeiten nicht zu tolerieren oder Dinge mit einer entsprechenden Vehemenz abzulehnen als naiv abtun. Menschen, die, je älter sie werden, immer abgeklärter daherkommen und mein Engagement mit dem Attribut „Gutmensch“ desavouieren. Die mich als blauäugig bezeichnen, nur weil ich auch mit 40+ eher dem Post-Kapitalismus als dem Neo-Liberalismus nahestehe.

Es gibt da dieses Zitat, das gemeinhin Churchill zugeordnet wird: „Wer mit 20 Jahren kein Kommunist ist, hat kein Herz. Wer mit 30 Jahren noch Kommunist ist, hat keinen Verstand!” Das geht in die oben beschriebene Richtung. Es deutet an, dass man irgendwann irgendetwas Fundamentales nicht kapiert habe. Und es suggeriert, dass zu einem gewissen Zeitpunkt eine Art Reifeprozess einkehren sollte.

Ich finde das einigermaßen traurig. Und ich finde Karrieren, die zielstrebig vom Revoluzzer zum Abgeklärten führen, nicht besonders spannend. Wie ich darauf kam? Ich las neulich einen Tweet von Thomas Sattelberger.

Meine spontane Antwort (auf die Herr Sattelberger leider nie einging) lautete:

Und ich meine das durchaus ernst. Warum schmückt man sich mit Dingen wie seiner Affinität zur APO, nur um dann zum sprichwörtlichen Establishment zu wechseln? Irgendwie klingt das nach Joschka Fischer. Kein Vorbild, nirgends.  Weiterlesen