Jetzt zählt der Mensch. Warum wir unsere Zukunft mit Hilfe von Technologien gestalten müssen

In dem Artikel „Der menschliche Faktor“ (FAZ vom 17.07.14, S. 9) zitiert die amerikanische Wirtschaftswissenschaftlerin Shoshana Zuboff den Wirtschaftshistoriker Alfred Chandler:

„Geschäftsmodelle, die auf Kostensenkung und kurzfristige Erfolge setzen, seien eine hohle Karikatur dessen, was Unternehmer früher erfolgreich gemacht habe.“

Zuboff fordert ein Ende der „Ökonomie der Verachtung“ und bezieht sich dabei auf die digitalen Technologien, die ihrer Meinung nach überwiegend für die falschen Zwecke eingesetzt werden. Denn „[s]tatt in der Apokalypse zu enden, könnten digitale Technologien eine neue, humanere Wendung in der Geschichte des Kapitalismus einläuten.

Die Wissenschaftlerin weist eindringlich darauf hin, dass es vor allem seine Anpassungsfähigkeit war, die den Kapitalismus der Vergangenheit so erfolgreich gemacht hat. Daraus folgert sie, dass die heutigen Gesetze von Marktwirtschaft und Politik keineswegs unabänderlich oder zwangsläufig seien, sondern von uns intelligenten Menschen gestaltet werden müssen.

Eine Frage, die es dabei stets zu stellen gilt, lautet „cui bono?“. Denn erst, wenn ich weiß, wer seinen Nutzen aus welcher Argumentation zieht, erhalte ich ein vollständiges Bild, auf dessen Basis ich mir eine Meinung bilden und Entscheidungen treffen kann; alles andere ist Manipulation.

Das Horrorszenario „Mensch vs. Maschine“ wird z.T. gezielt geschürt. So berichtet wiwo.de, über vom Aussterben bedrohte Berufe. Schuld hat (wie so häufig) die Technologie und der Fortschritt.

Derartige Szenarien sind insofern fatal, als sie Technologiefeindlichkeit und Zukunftsangst schüren. Wer heute gegen Google & Co. wettert, tut dies häufig aus eben jener technologieskeptischen Haltung heraus. Doch aus Angst und Unverständnis entstehen keine innovationsfreundlichen Umgebungen. Daher halte ich es für unbedingt notwendig, dass es genau hier zu einem Paradigmenwechsel kommt. Wir brauchen fortschrittsoptimistische und technologiebejahende Menschen und Strukturen. Dann können wir endlich die Richtung bestimmen, die wir mit Hilfe der (Informations)technologien einschlagen wollen.

Shoshana Zuboff deckt in ihrem FAZ-Beitrag auf, dass die derzeitige Richtung eben nicht den Menschen dient; bzw. dient sie durchaus Menschen, aber eben einer sehr kleinen Gruppe, nämlich derjenigen, deren Interesse es ist Gewinne auf Kosten der Menschen zu maximieren, statt Technologie zum Nutzen der Menschen einzusetzen.

„Technological unemployment“ heißt die Chimäre, die der Stoff so vieler moderner Alpträume ist. Günter Dück nennt die notwendige Reaktion auf die Angst vor dem Sieg der Maschinen „Professionelle Intelligenz“ und meint damit die Auseinandersetzung damit, „worauf es morgen ankommt.“ Morgen, das ist der Zeitpunkt, an dem Maschinen menschliche Arbeitskraft weitestgehend obsolet machen. Ich finde das eine reichlich pessimistische Zukunftsvision, wenngleich ich ihr eine gewisse Bedrohlichkeit nicht ganz absprechen kann.

Es ist an der Zeit, dass wir, die wir uns mit Zukunfts-Technologien beschäftigen, uns endlich fragen, wie wir uns deren Einsatz wünschen, anstatt uns mit dem Status Quo abzufinden und den vermeintlichen Fortschritt als Kapitalismus-immanent mehr oder weniger stoisch hinzunehmen. Wirtschaft und Gesellschaft sind keine Naturgesetze, sondern nach unseren Vorstellungen und Bedürfnissen gestaltbare Bereiche. Nur sollten wir langsam mit dem Gestalten anfangen.

Ein Gedanke zu “Jetzt zählt der Mensch. Warum wir unsere Zukunft mit Hilfe von Technologien gestalten müssen

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